Wer wählen geht, trifft eine wichtige Entscheidung. Dabei können zwei Denkweisen die Wahl beeinflussen: oft orientieren wir uns an kurzfristigen Folgen oder an unserer bestehenden Meinung. Durch Algorithmen im Internet werden diese Denkfehler verstärkt. Wenn wir über sie Bescheid wissen, können wir die Konsequenzen unserer Entscheidungen besser reflektieren. Weitere Informationen findest du hier.

Welche Konsequenz hat deine (Wahl-)Entscheidung?
Die Entscheidungsforschung ist ein großer Wissenschaftszweig der Psychologie. Allein das drückt schon aus, welche komplexen Prozesse auf dem Weg zu einer Entscheidung aktiv sind. Dabei konnten verschiedene Denkweisen nachgewiesen werden, die zu verzerrten Urteilen führen können.
1) Menschen neigen dazu, bei Entscheidungen eher kurzfristig zu denken
Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass Menschen bei ihren Entscheidungen oft nur an die kurzfristigen Folgen denken (1). Zum Beispiel: wenn du eine Aufgabe aufschiebst, um stattdessen etwas Angenehmes zu machen, auch wenn du dadurch später zusätzlichen Stress bekommen wirst. Denk gerne einmal darüber nach, in welchen Situationen du Entscheidungen eher aufgrund kurzfristiger, vermeintlich positiver Konsequenzen triffst.
Wie beeinflussen kurzfristige Entscheidungen die Klimakrise?
Dieses psychologische Phänomen, dass Menschen häufiger kurzfristig als langfristig denken, kann sich durch alle Lebensbereiche ziehen. Auch in der Politik ist es allgegenwärtig. Wahrscheinlich ist es ein Hauptfaktor dafür, dass es nur schleppende Fortschritte bei der Einführung von Maßnahmen gegen den Klimawandel gibt.
In der aktuellen Politik werden kurzfristige Entscheidungen darin sichtbar, dass trotz des Wissens um die langfristen Folgen für das Klima diverse Maßnahmen zu dessen Schutz aufgeschoben (2), aufgeweicht (3) oder wieder abgeschafft werden (4).
Wie entscheidest du, wen du wählst?
Auch wir Wähler*innen sollten reflektieren, inwieweit wir bei unserer Wahlentscheidung nur an die kurzfristigen Folgen denken. Wenn du schon öfter gewählt hast: Denke einmal zurück an die verschiedenen Wahlen. Wen hast du jeweils gewählt? Welche Themen haben dich zu deiner Entscheidung geführt und welche Relevanz haben diese Themen heute? Welche politischen Entscheidungen wurden möglicherweise für dieses Thema getroffen aufgrund der Wahlergebnisse?
Was kannst du tun?
Es ist notwendig, dass Politiker*innen für Entscheidungen belohnt werden, die auf das zukünftige Wohl der Gesellschaft anzielen. Damit das passiert, muss ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es wichtig ist, auch langfristig zu denken. Reflektiere einmal selbst für dich:
- Welche Konsequenzen haben deine (politischen) Entscheidungen für dich in fünf Jahren, in zehn Jahren, in zwanzig Jahren?
- Welche Konsequenzen haben deine (politischen) Entscheidungen für die nächste Generation, möglicherweise für deine Kinder?
2) Menschen neigen dazu, Informationen zu suchen, die ihre bestehenden Überzeugungen bestätigen
Der Bestätigungsfehler beschreibt die Tendenz von Menschen, eher die Informationen aufzunehmen, die zu der eigenen Meinung passen (5). Informationen, die dem eigenen Standpunkt entgegenstehen, können ignoriert oder heruntergespielt werden. Der Bestätigungsfehler hindert Menschen daran, sich ein umfassendes Bild über ein Thema zu verschaffen. Er kann dazu führen, dass Menschen ihre Vorurteile dadurch bestätigt sehen.
Wer beispielsweise eine negative Meinung zu pflanzlicher Ernährung hat, wird eher solche Informationen aufnehmen, die dieses Bild bestätigen. Wird z.B. vor Ersatzprodukten gewarnt, wird dies als Beleg dafür genommen, dass eine pflanzliche Ernährung ungesund ist. Positivbeispiele, die diese Vorurteile entkräften können, werden ignoriert oder für falsch befunden.
Wie beeinflussen Algorithmen den Bestätigungsfehler?
Ein zusätzliches Problem ist mittlerweile, dass diverse Internetplattformen mit Algorithmen arbeiten. Diese zeigen uns bevorzugt Inhalte zu den Themen, mit denen wir uns zuvor online beschäftigt haben (6). Wer häufig Beiträge zum Thema Fitness schaut, wird immer mehr ähnliche Postings angezeigt bekommen. Dasselbe gilt auch für politische Inhalte. Eigene Vorurteile können so verstärkt werden. Durch diese Arbeitsweise von Algorithmen entstehen Filterblasen, aus denen es immer schwieriger wird, auszubrechen.
Was kannst du tun?
Überlege einmal selbst, wie du mit unterschiedlichen Informationen umgehst. Wie setzt sich deine Meinung zu einem Thema zusammen? Wie offen bist du für Informationen, die deinem Standpunkt widersprechen? Welche Folgen hat deine Art, dir eine Meinung zu bilden – kurz- und langfristig?
Quellen:
- Gureckis, T. M. & Love, B. C. (2009). Short-term gains, long-term pains: How cues about state aid learning in dynamic environments. Cognition, 113(3). 293–313. https://doi.org/10.1016/j.cognition.2009.03.013
- Der Spiegel (2025). Weltklimakonferenz endet ohne Beschluss zu Exitplan für Kohle, Öl und Gas. https://www.spiegel.de/wissenschaft/cop30-in-belem-weltklimakonferenz-endet-ohne-beschluss-zu-exitplan-fuer-kohle-oel-und-gas-a-b1ef2147-384b-4bb3-a9c7-5bc88d40fe00 (Abgerufen am 04.01.2026)
- Hessenschau (2025). Ist Klimaschutz out? Immer mehr Kommunen verschieben ihre Klimaziele. https://www.youtube.com/watch?v=WmLgpe0ln7c&t=2s (Abgerufen am 04.01.2026)
- Hensolt, A. & Holzreiter, M. (2025). Gekipptes Verbrennerverbot – und nun? Tagesschau. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/verbrenneraus-folgen-100.html (Abgerufen am 04.01.2026)
- Digitales Institut (2023). Was ist kognitive Verzerrung? https://digitales-institut.de/kognitive-verzerrung-leicht-verstaendlich-erklaert/ (Abgerufen am 21.06.2025)
- Koschke, M. (2025). Wie funktioniert mein Social-Media-Algorithmus? IT Center Blog. RWTH Aachen University. https://blog.rwth-aachen.de/itc/2025/01/06/wie-funktioniert-mein-social-media-algorithmus/ (Abgerufen am 21.06.2025)