Nicht nur logische Gründe beeinflussen unsere Wahlentscheidungen. Auch positive und negative Gefühle prägen die Wahl. Je nachdem, welche Emotion ausgelöst wird, entstehen bei Wähler*innen verschiedene Reaktionen. Dieses Wissen nutzen Politiker*innen im Wahlkampf. Sie verwenden absichtlich emotionale und populistische Sprache. Um eine fundierte Wahlentscheidung treffen zu können, kannst du auf verschiedene Punkte achten. Weitere Informationen findest du hier.

Wie beeinflussen Emotionen unsere Wahlentscheidungen?
Wahlentscheidungen galten lange als Ausdruck vernünftigerAbwägung – von Parteiprogrammen, politischen Inhalten oder Kandidat*innen. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass unser Wahlverhalten stärker von unlogischenund emotional geprägten Faktoren beeinflusst wird, als wir größtenteils annehmen (1).
Nach der Theorie der affektiven Intelligenz lassen sich verschiedene Reaktionen hervorrufen, wenn unterschiedliche Gefühle angesprochen werden: Positive Emotionen wie Freude und Stolz führen dazu, dass sich Wähler*innen in ihren bestehenden Einstellungen bestätigt fühlen. Negative Emotionen wie Angst hingegen erhöhen die Offenheit gegenüber neuen Informationen (5). Interessanterweise zeigt sich, dass bestehende Überzeugungen bestätigt werden, wenn Ärger hervorgerufen wird.
Wie nutzt die Politik Emotionen?
Politiker*innen nutzen dieses Wissen gezielt und bedienen sich in Reden, TV-Auftritten sowie in ihren (Social-Media-)Kampagnen emotional aufgeladener und populistischer Sprache (2, 3, 4). Dies geschieht wahlweise, um Zustimmung zu erhöhen, die eigene Wählerschaft zu mobilisieren oder politische Gegner*innen zu abzuwertenund die eigenen Anhänger*innengegen sie aufzubringen.
Konservativ-rechte Parteien bedienen sich insgesamt häufiger und intensiver eines populistischen Kommunikationsstils als liberale Parteien. Populistisch reden heißt: Sie erzeugen gezielt Angst und Ärger, etwa durch die Konstruktion von Feindbildern („die Elite“, „die Medien“) (6). Problematisch ist dabei, dass populistische Kommunikation ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt und gesellschaftliche Spaltung begünstigt. Negative Gedanken werden gezielt gefördert, während konstruktive Gespräche und demokratische Einigungen reduziert werden(6).
Was kannst du tun?
Dass politische Akteure versuchen, über ihre Kommunikation Wähler*innen für sich zu gewinnen, ist normal und nicht an für sich problematisch. Besorgniserregend ist jedoch, dass der Anteil populistischer Kommunikation zuletzt wieder zugenommen hat (6). Um eine fundierte Wahlentscheidung treffen zu können, lohnt es sich daher, im Wahlkampf auf folgende Punkte zu achten:
- Achte darauf, welche Gefühle bei dir entstehen, wenn du Beiträge von Kandidat*innen einer Partei siehst, hörst oder liest.
- Versuche, aus einer Beobachterperspektive den Kommunikationsstil zu analysieren: Lassen sich Merkmale populistischer Kommunikation erkennen? Und welches Ziel könnte damit verfolgt werden?
- Prüfe inhaltliche Aussagen kritisch. Studien zeigen, dass Desinformation und Fake News im Wahlkampf zunehmen und insbesondere über soziale Medien verbreitet werden. Hinweise auf Seriosität sind etwa transparente Quellenangaben und die Glaubwürdigkeit der verwendeten Quellen.
- Lies das Wahlprogramm der Partei, für die du dich interessierst. Auch wenn diese Programme oft lang und komplex sind, geben sie einen realistischeren Einblick in politische Ziele als Wahlplakate oder kurze Medienauftritte. Alternativ kannst du dir ein Wahlprogramm mithilfe einer KI zusammenfassen lassen, indem du es als PDF hochlädst.
- Überprüfe das bisherige Abstimmungsverhalten der Partei im Bundestag. Plattformen wie der Real-O-Mat (https://real-o-mat.de/) ermöglichen es nachzuvollziehen, ob Parteien in der Vergangenheit im Einklang mit ihren Wahlversprechen abgestimmt haben.
Quellen:
- Achen, C. H., & Bartels, L. M. (2017). Democracy for realists: Why elections do not produce responsive government. Princeton University Press.
- Wirz, D. (2018). Persuasion through emotion? An experimental test of the emotion-eliciting nature of populist communication. International Journal of Communication, 12, 1114-1138.
- Jerit, J. (2004). Survival of the fittest: Rhetoric during the course of an election campaign. Political psychology, 25(4), 563-575. https://doi.org/10.1111/j.1467-9221.2004.00387.x
- Brady, W. J., Wills, J. A., Burkart, D., Jost, J. T., & Van Bavel, J. J. (2019). An ideological asymmetry in the diffusion of moralized content on social media among political leaders. Journal of Experimental Psychology: General, 148(10), 1802. https://doi.org/10.1037/xge0000532
- Marcus, G. E., Neuman, W. R., & MacKuen, M. (2000). Affective intelligence and political judgment. University of Chicago Press.
- Schemer, C., Wirth, W., Wettstein, M., Müller, P., Schulz, A., & Wirz, D. (2018). Wirkung populistischer Kommunikation. Populismus in den Medien, Wirkungen und deren Randbedingungen. Communicatio Socialis (ComSoc), 51(2), 118-130. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2018-2-118